Digital lernt’s sich leichter

Text: Vera Hermes

Eigentlich war alles ganz friedlich auf der sonnenbeschienenen Terrasse. Bis die aufgeregte Nachbarin in den Garten stürmte, um mit ihrem Missgeschick herauszuplatzen: Ihr war die Tür zugefallen, der Schlüssel drinnen, sie draußen. Was tun? Früher hätten wir den Schlüsseldienst gerufen, der – an einem Samstagnachmittag besonders teuer – nach Stunden gekommen wäre, um in Nullkommanix die Tür zu öffnen und anschließend eine gesalzene Rechnung zu schicken. Heute? Wird kurz das Laptop geholt, bei YouTube ein paar Schlagworte eingetippt und schwupps erscheint ein praktisches kleines Video, das zeigt, wie sich mit dem Röhrchen aus der Zewa-Rolle und einer Schnur das auf Kipp gestellte Fenster im Handumdrehen öffnen lässt. Wie die Polizei das sieht, das sei einmal dahingestellt; die kleine Episode zeigt aber, wie situationsbedingtes Lernen heute funktioniert: schnell, kostenlos und per Web. Allein auf YouTube finden sich zu allen erdenklichen Sachgebieten Erklärfilmchen, es ist, wenn man so will, das größte Schulbuch der Welt. Ein großes Presseecho löste der Mathe-Lehrer Sebastian Schmidt von der Inge-Aicher-Scholl-Realschule in Neu-Ulm aus: Zusätzlich zum Unterricht erklärt Schmidt seinen

Schülern zum Beispiel die Parallelen-Schar oder Geraden-Gleichungen in kurzen YouTube-Videos. Schmidts „Flipped-Mathe“-Videos sind locker, verständlich, bei den Schülern beliebt – und erfolgreich. Die Klasse von Schmidt war am Ende des Schuljahrs laut dem Schulleiter „signifikant besser“ als die Parallelklasse, die konventionell gelernt hatte. Die Khan Academy geht die Wissensvermittlung gleich mal global an: Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, jedem Menschen auf der Welt kostenlos per Web Inhalte, etwa über Naturwissenschaften, Computerprogrammierung oder Wirtschaft, beizubringen. Im Prinzip steht heute jeder Person mit Internetzugang unendlich viel Wissen zur Verfügung. Was eine gute Nachricht ist. Die noch bessere Nachricht: Der Lernende hat größere Chancen, die Inhalte zu verstehen. Inhalte eines gut gemachten Lehr-Videos sind deutlich einfacher zu rezipieren als geschriebener Text. Von der Khan Academy inspiriert, gab Sebastian Thrun, Professor für Künstliche Intelligenz an der Stanford University (und laut Website ehemaliger Google Fellow und Erfinder des selbstfahrenden Autos), vor Jahren den kostenlosen Web-Kurs „Einführung in die künstliche Intelligenz“.






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